Fragen und Antworten
| aus Schuldnersicht |
aus Gläubiger-Sicht |
Schuldnersicht
Was, wenn man verreist war und nicht rechtzeitig Widerspruch
einlegen konnte?
Man kann bei Gericht "die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand"
beantragen. Darüber entscheidet das Streitgericht.
Was, wenn der Mahnbescheid an eine alte oder falsche Adresse
geschickt worden ist?
Die Zustellung und der Mahnbescheid sind unwirksam Wenn der Schuldner
selbst von Mahnbescheid und Zustellversuch erfahren hat, sollte er dem Gericht die
aktuelle Adresse mitteilen und eventuell vorsorglich Widerspruch einlegen.
Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich nicht zahlen kann?
Keinen Widerspruch einlegen, sondern sich mit dem Gläubiger in Verbindung
setzen und eine Ratenzahlung vereinbaren.
Wie sollte das Widerspruchsformular ausgefüllt werden?
Der Schuldner sollte neben seinem Absender angeben, ob er insgesamt
widerspricht oder nur teilweise. Wenn Sie als Vertreter einer Person oder eines
Unternehmens das Formular unterschreiben, müssen Sie sich die Bevollmächtigung durch den
Empfänger des Mahnbescheides versichern lassen.
In welchen Fällen ist ein Teil-Widerspruch möglich?
Wenn etwa die Leistung eines Handwerkers teilweise mangelhaft war. Oder
wenn im Mahnbescheid zu hohe Zinsen wegen des Zahlverzuges verlangt werden. Diese dürfen
nicht höher sein als der Diskontsatz plus 5 %. es lohnt sich auch, gegen die zum Teil
sehr hohen Inkassogebühren Teil-Widerspruch einzulegen, da sie nur geschuldet werden,
wenn man auf Mahnung des Inkasso-Büros gezahlt hat.
Welche Kosten kommen auf den Schuldner zu?
Der Schuldner trägt die Kosten für den Zahlungsverzug (Port,
Verzugszinsen, Kosten für einen ab der zweiten Mahnung beauftragten Anwalt) und Kosten
für das gesamte gerichtliche Mahnverfahren, sofern die Forderung berechtigt und er nicht
zahlungsunfähig ist.
Was darf der Gerichtsvollzieher pfänden?
Alles, was dem Schuldner gehört. Ausnahmen: Gegenstände, die zur
Ausübung der Erwerbstätigkeit notwendig sind und persönliche Gegenstände sowie
Haushaltsutensilien (z.B. Ehering, Brille, Bekleidung, Haus- und Küchengeräte).
Kann der Schuldner eine Pfändung verhindern?
Er kann Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung stellen. Dieser wird oft
nur gegen Sicherheitsleistungen gestattet.
Gläubigersicht
Kann der Gläubiger schon nach einer Mahnung einen
Mahnbescheid stellen?
Ja. Aus rechtlicher Sicht sind keine weiteren Mahnungen notwendig. Der
Gläubiger solle sich überlegen, ob es sich lohnt, nochmals zu mahnen. Statt weitere
Mahnungen zu schicken, kann er einen Rechtsanwalt oder ein Inkassounternehmen mit der
Eintreibung der Schulden beauftragen. Bei Inkassounternehmen tritt der Gläubiger einen
Teil seiner Forderung ab. Das Inkassounternehmen versucht auf eigene Rechnung die Schulden
einzutreiben. Wenn der Gläubiger schon nach der ersten Mahnung einen gerichtlichen
Mahnbescheid beantragen will, sollte er sicherstellen, daß die Mahnung angekommen ist.
Sonst kann der säumige Schuldner im Gerichtsverfahren behaupten, er hätte die Mahnung
nie erhalten.
Welche Ansprüche kann der Gläubiger mit einem Mahnbescheid
verfolgen?
Er kann nur solche Ansprüche verfolgen, die auf Zahlung einer bestimmten
Geldsumme ausgerichtet sind. Andere Forderungen wie Unterlassung oder Herausgabe können
nicht verfolgt werden.
Was für Kosten kommen auf den Gläubiger zu?
Ist die Forderung berechtigt, hat der Gläubiger keine Kosten. Der vom
Gericht verlangte Vorschuß wird dem Gläubiger ersetzt.Ist der Schuldner
zahlungsunfähig, muß der Gläubiger die Anwalts- und Prozeßkosten selbst tragen und
bekommt seine Forderung nicht beglichen. Zuerst muß aber die Zahlungsunfähigkeit
festgestellt werden Sollte sich in der eidesstattlichen Erklärung herausstellen, daß der
Schuldner doch Vermögen hat, kann dies gepfändet werden.
Wie lange ist der Vollstreckungsbefehl gültig?
Aus der Urkunde kann der Gläubiger 30 Jahre lang die Zwangsvollstreckung
betreiben.
Lohnt es sich, einen Rechtsanwalt einzuschalten?
Unternehmen haben zwar oft eine eigene Mahnabteilung. es lohnt sich aber,
einen Rechtsanwalt zu beauftragen, wenn die Forderung berechtigt ist. Denn dann werden die
Anwaltsgebühren vom Schuldner ersetzt. Die Einschaltung eines Inkassobüros macht nur
Sinn, wenn damit eine außergerichtliche und billigere Lösung erreicht werden soll.

|